Da müssten mir eigentlich als früherem Chorsänger europäischer Volkslieder, darunter auch “Katjuscha” im Repertoire, die Stimmbänder den Dienst versagen – ganz bestimmt nicht!
Die gewünschte Sing- und Spielblockade der Berliner Polizei am Treptower Ehrenmal verfängt sich auch bei mir nicht, etwa weil man sagen könnte: “Wo man singt, lass Dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder” (tausendfach allein mit der rechten Musikszene widerlegt), noch “Die Gedanken (in Liedern) sind frei” – (schon lange nicht mehr in unserer ruhmreichen bgl. parlamentarischen Demokratie).
Auch nicht, weil dieses Lied neuerdings im Gegensatz zu DDR-Liederbüchern als Liebeslied im 4/4 Takt (schwungvoller, schneller Marsch!) beschrieben wird.
Wenn Soldaten fern der Heimat auch mit Gesang und, wenn es sein muss, beim Marschieren ihren Lieben daheim mit einem Liebeslied gedenken – dann könnte man meinen, ist das doch normal und immer schon geschehen?
Zwischenzeitlich gibt es in unserer Erinnerungspolitik ja nur noch Opfer verbrecherischer Kriege, kaum Täter.
Nun soll es in unserer “Zeitenwende” und aufgrund einer aktuellen Sicherheitslage nur für den (westlichen) menschlichen Rest der Welt gelten, nur nicht für die “Russen”.
Sie haben ja eine andere fundamentale Haltung zum Wert menschlichen Lebens, insbesondere im Krieg!
Der Großteil der Soldaten der Roten Armee erreichte Berlin am 8. bzw. 9. Mai nicht. Sie starben oder kamen in den Kriegsgefangenenlagern um für uns, damit Europa und Deutschland von der NS-Barbarei befreit werden konnten.
“In einem Polenstädtchen” dröhnte es im vormaligen Krieg im Tritt tausender deutscher “Landser”, die dann auch durch Blut von ihnen ermordeter “Untermenschen” wateten und über die Leiber vergewaltigter Mütter, Kinder und Mädchen schritten.
Dafür lehrten “Katjuschas” den vor Furcht mit den Zähnen klappernden SS, Wehrmachtssoldaten und Kollaborateuren, von ihnen auch “Stalin-Orgel” genannt – wo für sie “Ende im Gelände” ist,so im damaligen Wolgograd oder auf den Seelower Höhen.
Bis sich die in Magnitogorsk geschmiedeten “Schwerter” am 9. Mai 1945 in Berlin senkten.
Diese Geschosswerfer gingen im Juli 1941 (!) in Serie, erstmals in Orscha (Belorussland), zu Regimentern zusammengefasst, eingesetzt. Diese Waffe wurde innerhalb von 4 Tagen erprobt, Teile davon in Magnitogorsk gefertigt und schon 1942 auch auf als Waffenhilfe gelieferte US-Studebakers montiert.
Die bundesdeutsche Schlagerindustrie hatte noch nie Mühe damit, das Lied vom “Mädchen in einem Polenstädtchen” (Heino) zu verbreiten – für Frohsinn und Schwung unter Revanchisten und Vertriebenen und heute auf Karnevalveranstaltungen und Seniorenabenden.
Das hat für mich Bedeutung.